Plasmaspende nach COVID-19-Erkrankung

(Rekonvaleszenten-Plasma / RKP)

 

– Einführung für Spendewillige –

Was ist Plasma?

Blutplasma ist eine klare gelbe Flüssigkeit, die sich aus ca. 93 % Wasser und aus etwa 7 % gelösten Stoffen zusammensetzt. Der Anteil des Plasmas am gesamten Blutvolumen beträgt über 50 %. Im Plasma werden Eiweiße (z.B. Gerinnungsfaktoren), Zucker, Fette, Hormone, Mineralien usw., aber auch alle Blutzellen transportiert.

Die einzelnen Plasmabestandteile erfüllen viele wichtige Funktionen, die nicht anderweitig ersetzbar sind. Vor allem aber enthält das Plasma Antikörper gegen Krankheitserreger, die das Immunsystem nach Kontakt mit diesem Erreger gebildet hat (z.B. nach einer Impfung oder im Rahmen einer durchgemachten Infektion).

Gespendetes Plasma kann ohne Verlust seiner Wirksamkeit eingefroren werden.

Wer kann Rekonvaleszenten-Plasma spenden?

In den sogenannten Hämotherapie-Richtlinien ist u.a. geregelt, wer zur Spende von Blut oder Blutbestandteilen herangezogen werden darf. Diese allgemeinen Zulassungskriterien für eine Blutspende gemäß Hämotherapie-Richtlinien sind weiterhin gültig. Dies bedeutet, Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe, Unter- oder Übergewicht usw. können nicht Plasma spenden, um sich selbst bzw. den Empfänger nicht zu gefährden. Die individuelle Spendefähigkeit wird im persönlichen Gespräch und im Rahmen einer Voruntersuchung geprüft.

Bitte füllen Sie diesen Fragebogen im Internet aus.

Wenn Sie die o.a. Voraussetzungen erfüllen, prüfen wir gerne, ob Sie in das Voruntersuchungsprogramm aufgenommen werden können (Kontakt siehe Ende des Dokumentes)

 

Warum soll gerade ich Plasma spenden?

Sie haben sich von einer Virusinfektion durch das Coro­na-Virus (SARS-CoV-2) erholt. Ihr Immunsystem hat die Erkrankung durch die Entwicklung sogenannter Antikörper bekämpft. Die Bildung dieser Antikörper erfolgt in bestimmten Blutzellen über eine längeren Zeitraum.

Einige Patienten mit einer Virusinfektion durch das Coro­na-Virus können Antikörper gegen das Corona-Virus nicht so schnell bilden und es kommt zu lebensbedrohli­chen Erkrankungsverläufen.

Diesen Patienten sollen Antikörper gegen das Corona-Virus übertragen werden, die sich im Plasma von Spendern finden lassen, die selbst eine Corona-Infektion überstanden haben.

Dazu sollen Plasmaspenden verwendet werden.

Wann soll die Plasmaspende stattfinden?

Für die Verwendung als Therapeutikum bei Patienten mit COVID-19-Erkrankung ist ein genügend hoher Gehalt an antiviralen Antikörpern im Spenderplasma erforderlich. Spender können daher frühesten 4 Wochen nach Erkrankungsbeginn UND 2 Wochen nach Ausheilung bzw. Symptomfreiheit ihr Plasma spenden. Diese Regelung gilt ausdrücklich nur für die Spende von Rekonvaleszenten-Plasma und nicht für die Spende sonstiger Blutbestandteile!

Gegenwärtig wird COVID-19-Rekonvaleszentenplasma im Rahmen von Studien oder individuellen Heilversuchen eingesetzt. Die Verwendung dieses Plasmas wird intensiv untersucht, dazu stimmen sich verschiedene transfusionsmedizinische und klinische Einrichtungen laufend ab.

Habe ich Nachteile durch die Plasmaspende?

Von allen verschiedenen Arten der Blutspende (Vollblutspende, Thrombozytenspende, Plasmaspende) gilt gerade die Plasmaspende als besonders gut verträglich, denn bei der Plasmaspende wird nur ein Blutbestandteil (eben das Plasma) gespendet, die nicht benötigten Blutbestandteile werden an den Spender zurückgeführt. Daher sind Plasmaspenden in wesentlich kürzeren Zeitabständen möglich, als zum Beispiel Vollblutspenden.

Die gegen das Corona-Virus gerichteten Antikörper werden von Ihrem Immunsystem weiter produziert, daher verbleiben auch nach einer Plasmasammlung genügend Antikörper beim Spender.

Wie läuft eine Plasmaspende ab?

Ihr Blut wird aus einer Armvene unter Zusatz von blutgerinnungshemmenden Mitteln (Zitratlösung) entnommen und durch einen Zellseparator geleitet, um dort durch Zentrifugation aufgetrennt zu werden. Ein Teil des Blutplasmas wird entnommen und die übrigen, nicht benötigten Blutbestandteile fließen je nach Zellseparatortyp ständig oder mit Unterbrechung über dieselbe oder eine andere Armvene wieder zurück. Damit ist diese Form der Blutspende im biologischen Sinne besonders schonend. Je nach Menge des entnommenen Plasmas dauert die Spende am Zellseparator zwischen ca. 30 Minuten und ca. 60 Minuten. Für die Zulassung zu Aphereseverfahren gelten spezielle Kriterien, die dem Spenderschutz dienen, so z. B. Mindestanforderungen an das Körpergewicht, den Hämoglobin- oder Eiweißgehalt des Blutes, den Abstand zu letzten Spenden etc.

Bei den seltenen, aber möglichen Gefahren handelt sich um gelegentliche Kreislauf-schwäche etwa wie bei der herkömmlichen Blutspende (Schweißausbruch, Erbrechen, Übelkeit, Ohnmacht), selten vorkommende, vorübergehende Reaktionen durch Mittel mit blutgerinnungshemmender Wirkung (zitratabhängige Reaktionen wie Ameisenlaufen an den Fingerspitzen und Zehen, dem Mund, der Zunge, bei stärkerer Ausprägung Muskelver-krampfung und Unregelmäßigkeiten des Herzschlags), Punktion von Nervenästen und Arterien mit örtlichen (selten großflächigen) Blutergüssen und äußerst seltene technische Komplikationen, z. B. Luftembolie durch Ausfall von Sicherheitssystemen, Blutverlust oder Infektionen durch Einreißen der Schlauch-/ Beutelsysteme, Zerfall von Blutzellen (Hämolyse) durch ungewöhnliche Druckveränderungen oder Scherkräfte im Trennsystem, Mikrogerinnsel bei unzureichender Gerinnungshemmung, die alle bei regelmäßiger Wartung und richtiger Vorbereitung des Systems nahezu ausgeschlossen sind.

Im Spendesystem wird für die Bereiche mit Blutkontakt ausschließlich Einweg-Material verwendet.

Um einen steten Blutfluss zu gewährleisten, kann die lokale Anwendung von Wärme, z. B. durch den Einsatz von Heizkissen, an der punktierten Vene erforderlich sein. Durch die Wärme kommt es zu einer Erweiterung der Vene, Druckalarme und Flussprobleme treten seltener auf und die Spendezeit kann ggf. verkürzt werden. In seltenen Fällen kann die lokale Anwendung von Wärme zu Hitzeschäden führen (Rötung der Haut, Blasenbildung, Verbrennung) – bitte geben Sie uns sofort eine Rückmeldung, falls Sie die Wärmeanwendung als unangenehm empfinden oder sonstige Missempfindungen verspüren.

Zur Vermeidung der denkbaren Nebenwirkungen sind alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Spender können durch die frühzeitige Mitteilung von Missempfindungen während der Spende zur Vermeidung von Nebenwirkungen wesentlich beitragen kann. 

Was muss ich vor einer Plasmaspende beachten?

Bitte kommen Sie zur Plasmaspende nicht nüchtern; vermeiden Sie aber am Vorabend der Spende stark fetthaltige Mahlzeiten (Pommes frites, Käsegerichte, Sahnetorte), da das Plasma ansonsten zu fettreich (lipämisch) ist. Ferner trinken Sie ausreichend vor und nach einer Plasmaspende.

Frauen, die ein niedrig dosiertes Gestagenmonopräparat (sog. Minipille) zur Empfängnisverhütung einnehmen, müssen nach der Einnahme mindestens drei Stunden bis zur Plasmaspende warten.

Die Menge des entnehmbaren Plasmas ist abhängig vom Körpergewicht, daher müssen Sie mindestens 60 kg wiegen. Für die maschinelle Plasmaspende sind gute periphere Venenverhältnisse unverzichtbar.

Was muss ich nach einer Plasmaspende beachten?

Nach der Plasmaspende sollen sich die Spender noch mindestens 30 Minuten in unseren Räumen ausruhen. Eine Teilnahme am Straßenverkehr ist erst nach dieser Ruhepause möglich Bei vorzeitigem Verlassen geschieht dies auf eigene Gefahr.

Bitte nehmen Sie auch nach der Spende reichlich Flüssigkeit zu sich und verzichten mindesten zwei Stunden auf den Genuß von Alkohol und Tabak.

Risikoberufe (Führen von Autobussen, Eisenbahnen, Flugzeugen usw.) und gefahrengeneigte Tätigkeiten oder Hobbys (Fallschirmspringen, Tauchen, Besteigen von Gerüsten) sollten mindesten 12 Stunden nach der Spende nicht ausgeübt werden.

 

Sollten Sie in den nächsten drei Tagen nach der Spende erkranken (Schüttelfrost, Hals-, Muskel- oder Gliederschmerzen, Fieber > 38,5 °C) melden Sie sich bitte bei uns (T.: 0251 – 83 58000).

 

Wichtig!
  1. Die Blut-/Plasmaspende ist immer freiwillig; Ihr Einverständnis dazu können Sie jederzeit widerrufen.
  2. Bei der Spende von COVID-19-Rekonvaleszenten-Plasma handelt es sich um eine besondere Spende, für die nicht alle Spendewillige in Frage kommen. Bitte melden Sie sich nur, wenn Sie die Grundvoraussetzungen in dem o.a. grauen Kasten erfüllen!
  3. Um zu klären, wer für die Spende von Rekonvaleszenten-Plasma in Frage kommt, sind spezielle Untersuchungen erforderlich.
  4. Bitte bringen Sie zu jedem Untersuchungs- oder Spendetermin ein gültiges Personaldokument mit (Personalausweis, Reisepass, Führerschein)! 
     

Sie erfüllen die o.a. Grundvoraussetzungen und möchten sich für eine Spende von COVID-19-Rekonvaleszentenplasma zur Verfügung stellen?
 
Wenden Sie sich gerne an das Koordinationsteam für die Spende von Rekonvaleszenten-Plasma am Uniklinikum Münster

 

Kontakt:

 
E-Mail: coronaplasma(at)­ukmuenster(dot)­de


 
Ihr Team der Transfusionsmedizin am UKM